LENZING GRUPPE: Quartalsergebnisse 1999Die immer kürzer werdende Zyklizität des Fasergeschäftes zeigt sich deutlich in der Geschäftsentwicklung der letzten Monate. Seit dem vierten Quartal 1998 verzeichnete man bereits einen Rückgang in Nachfrage und Preis. Diese Entwicklung nahm gegen Jahresende 1998 auf allen Märkten spürbar zu. Die Monate Jänner und Februar 1999 markieren sehr wahrscheinlich den Tiefpunkt der gegenwärtigen Marktschwäche. Während der letzten Wochen gab es bereits wieder positive Zeichen einer leichten Erholung. Lenzing hat mit gezielten Gegensteuerungsmaßnahmen vor allem im Marketingbereich im März den Versand deutlich steigern können und damit den Abwärtstrend gestoppt. Für April und Mai zeichnet sich eine Fortsetzung dieses positiven Trends ab. Erste Anzeichen zu Preissteigerungen in Asien stimmen optimistisch und lassen für das zweite Quartal 1999 eine Verbesserung der Ergebnisse gegenüber den ersten drei Monaten erhoffen. Eine weitere Erholung ist dann aber wahrscheinlich erst für das zweite Halbjahr zu erwarten. Konzern-Umsatz und ErgebnisDer Lenzing Konzern erzielte im 1. Quartal 1999 einen konsolidierten Umsatz von 137,3 Mio Euro (1998: 159,3 Mio Euro), ein Rückgang von 14%, der vor allem auf den wesentlich geringeren Faserversand sowie die niedrigeren Faserpreise zurückzuführen ist. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verschlechterte sich dabei auf -5,8 Mio Euro gegenüber +8,4 Mio Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Hauptursache dafür ist das indonesische Beteiligungsunternehmen, aber auch der Standort Lenzing sowie die US-Tochter hatten Einbußen zu verzeichnen, wenngleich im Fasergeschäft der Lenzing AG nach-wie-vor gute Ergebnisse erwirtschaftet werden. Fasermarkt weltweitBereits im dritten Quartal 1998 zeichnete sich eine Abschwächung des Viskosefasermarktes in Westeuropa und der Türkei ab und intensivierte sich gegen Jahresende. Diese Tendenz war im ersten Quartal dieses Jahres noch stärker als erwartet zu beobachten: Das zyklische Fasergeschäft war vermutlich im Jänner und Februar am Tiefpunkt. Einhergehend mit dem Absatzrückgang haben auch die Preise deutlich nachgegeben. Viskosefasern sind um 15% billiger als im vierten Quartal 1998, Baumwolle, Polyester und Acryl haben rekordverdächtige Preistiefstände erreicht. Weiterhin rückläufig ist auch die Markttendenz in den USA, wo die rapide ansteigenden Importe an Halbfabrikaten und Fertigwaren aus Asien zu einer Reihe von Firmenschließungen in der nachgelagerten textilen Kette geführt haben. Asien, vor allem aber Indonesien, ist nach-wie-vor in einer sehr schwierigen wirtschaftspolitischen Situation. Wenngleich die ersten Monate aufgrund der Neujahrsfeierlichkeiten immer schwächer ausfallen, sind Pakistan und China als Exportmärkte wegen der extrem schlechten Preissituation im ersten Quartal nahezu vollständig ausgefallen. Indonesien ist mit steigender Arbeitslosigkeit, großer Armut, politischen Unruhen und zunehmend schwacher Kaufkraft durch die nun beinahe zweijährige Wirtschaftskrise stark gezeichnet. Vor dem Hintergrund der für Juni angesetzten Parlamentswahlen ist mit einer anhaltend volatilen Währungssituation zu rechnen, obwohl sich die indonesische Rupiah in den letzten Monaten etwas beruhigt hat. Die Lenzing AGUmsatz und ErgebnisMit 6,5 Mio Euro erzielte die Lenzing AG im 1. Quartal einen positiven Betriebserfolg (1-3/98: 10,7 Mio Euro); der Umsatz sank um 10% von 109,0 Mio Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 97,6 Mio Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verringerte sich 1999 vor allem durch das weiterhin negative Finanzergebnis auf -2,1 Mio Euro (1-3/98: 10,7 Mio Euro). Der gesamte Standort Lenzing erwirtschaftete angesichts der sich deutlich geänderten Marktgegebenheiten einen wiederum angemessenen Betriebserfolg und wird auch weiterhin erfolgreich arbeiten. FasernDie Lenzing AG reagiert im Geschäftsbereich Fasern mit weltweit verstärkten Marketinganstrengungen auf die schwache Absatzsituation in Europa. Diese schwache Nachfrage hatte Preiseinbußen zur Folge, die von den internen Kostenreduktionen nicht völlig aufgefangen werden konnten. Trotzdem wurde auch in diesem sehr schwierigen ersten Quartal ein positiver Betriebserfolg erzielt - ein klarer Beweis für die weiterhin operative Kostenführerschaft in Lenzing. Lenzing Technik, Folien und PapierEngineering und Anlagenbau sind abrechnungsbedingt in den ersten Monaten etwas schwächer in Umsatz und Ergebnis. Seit März ist jedoch wieder eine deutliche Verbesserung der Geschäftstätigkeit zu erkennen, sodaß eine weiterhin positive Ergebnisentwicklung abzusehen ist. Im März 1999 konnte anläßlich des Besuchs des Chinesischen Staatspräsidenten in Österreich eine Absichtserklärung zum weiteren Ausbau jenes 20.000 t-Viskosefaserwerkes unterzeichnet werden, das bereits von der Lenzing Technik in der Provinz Hebei während der letzten Jahre errichtet worden war. Äußerst erfreulich startete der Geschäftsbereich Folien das Jahr 1999. Lediglich das Baustoffsegment blieb im ersten Quartal witterungsbedingt unter Plan. Hoher Auftragstand und ertragsstarke Produktsegmente, wie im Bereich der Heißgasfiltration und Zahnseide-Vorprodukte, lassen eine Fortsetzung des erfolgreich abgelaufenen Geschäftsjahres erwarten. Obwohl der Papiermarkt mit Preisrückgängen und Überangebot zu kämpfen hat, ist die Lenzinger Papierfabrik mit ihrer geschickten Nischenpolitik auch im ersten Quartal 1999 wieder sehr positiv unterwegs. Der hohe Altpapieranteil als derzeit günstiger Rohstoff trägt wesentlich dazu bei. Für das Jahr 1999 sehen wir eine weiterhin positive Geschäftsperspektive. Lenzing Fibers Corp. / USA (LFC)Die US-Tochter LFC ist im ersten Quartal in mehrfacher Hinsicht unter zusätzlichen Druck geraten und schloß negativ ab. Die gesamte textile Kette kämpft mit den steigenden Halb- und Fertigprodukten aus Asien, zahlreiche Firmen müssen sich den sinkenden Inlandslieferungen und fallenden Preisen beugen und schließen ihre Produktionsstätten. Am schrumpfenden Fasermarkt herrscht härtester Preis- und Mengenkampf bei den verbleibenden Kunden. Die Lenzing Fibers Corp. wird sich sowohl auf hochqualitative Fasertypen als auch weiterhin auf das ertragsstärkere Nonwovens-Segment konzentrieren. Erste Versuche mit alternativen Fasertypen für neue Marktsegmente sind vielversprechend, wenngleich die Markteinführung erst mittelfristig Erfolge zeigen wird. South Pacific Viscose / Indonesien (SPV)Das indonesische Beteiligungsunternehmen schloß das erste Quartal mit einem deutlich negativen Ergebnis ab. Insbesondere in den beiden ersten Monaten waren hierfür der geringere Versand, eine niedrigere Produktion sowie Kursverluste durch die weitere Abwertung der Landeswährung ausschlaggebend. Die Produktion einer Linie mußte im Februar aufgrund des Ausfalls der Exportmärkte Pakistan und China für einige Wochen zurückgenommen werden. Seit März arbeitet die SPV aber bereits wieder mit guter Auslastung und einem deutlich erkennbaren Anstieg der Versandmengen im lokalen Markt. Zudem sind erste positive Zeichen einer leichten Erholung in Form von angekündigten Preissteigerungen für Polyesterfasern, Baumwolle und Viskosefasern erkennbar. Ein weiteres Kostensenkungsprogramm am Standort Purwakarta ist zum Teil bereits in Umsetzung, um die zu erwartenden Verluste zu verringern. In Anbetracht der indonesischen Parlamentswahlen im Juni hat die SPV umfassende Vorkehrungen in der Rohstofflogistik getroffen, um die kontinuierliche Produktion sicherzustellen. Lenzing LyocellDer Absatz der Lyocellfasern liegt nach-wie-vor hinter den Erwartungen; das Ergebnis ist negativ. Der Hauptansatzpunkt unserer Bemühungen ist die Verbesserung der Verarbeitbarkeit von Lyocellfasern in Färberei und Ausrüstung. Dazu arbeiten wir intensivst an der Anpassung der Fasereigenschaften einerseits sowie an textilen Produkten aus Fasermischungen andererseits, die mit herkömmlichen Methoden ausgerüstet werden können. Weiters werden alternative Anwendungen der Lyocell-Technologie im nicht-textilen Bereich forciert. Die Produktion in der Großanlage wird der Nachfrage am Markt angepaßt, Stillstände werden für technische Adjustierungen und Probeläufe mit neuen Qualitäten bei Rohstoffen und Fasertypen genutzt. AusblickDie Lage am europäischen Fasermarkt hat sich in den letzten Wochen gebessert. Es gibt erste Anzeichen von Preiserhöhungen in Asien. Dies könnte sich auch positiv und stabilisierend auf Europa auswirken. Der Standort Lenzing wird auch im zweiten Quartal ein gutes Ergebnis erwirtschaften - neben dem Fasergeschäft werden auch die Bereiche Technik, Folien und Papier einen wesentlichen Beitrag leisten. Die South Pacific Viscose könnte sich durch eine geringfügige Preisanhebung im zweiten Quartal auf niedrigem Niveau konsolidieren. Dies gelingt aber nur dann, wenn es zu keiner weiteren Verschärfung der politischen Unruhen in den großen Städten des Landes kommt. Neben den weiteren Kostensenkungsprogrammen sind auch die Aufrechterhaltung der Motivation der Mitarbeiter und die Loyalität der regionalen Bevölkerung wichtige Erfolgsfaktoren in einem schwierigen Umfeld. Weiterhin angespannt bleibt die Situation in den USA, wo die Lenzing Fibers Corp. keine Erholung am Markt erwarten darf. Sowohl im Absatz als auch bei den Preisen wird dem enormen Druck gegen den Mitbewerb sowie asiatische Importe standzuhalten sein. Die Lenzing-Tochter LFC setzt ihre Hoffnungen auf die Entwicklung neuer Spezialprodukte und Anwendungen in ihrer Produktionsstätte in Lowland, TN. Bei Lyocellfasern konzentrieren sich alle Aktivitäten auf die kontinuierliche Verbesserung und Weiterentwicklung der Produktion sowie der Produkte; diese Maßnahmen sind jedoch mittel- und langfristig zu sehen und werden im heurigen Jahr kaum mehr ergebniswirksam sein. Das Kerngeschäft der Lenzing-Gruppe im Stammwerk in Oberösterreich ist operativ gut gerüstet und wird sich weiterhin voll auf den beständigen Ausbau der margenträchtigeren Spezialfasern konzentrieren. Trotz der ungünstigen Markt- und Wirtschaftsbedingungen und der immer schneller werdenden Zyklizität des Fasergeschäftes dürfen wir auch in Zukunft deutliche Erfolge erwarten.
Lenzing Konzern: Erfolgsrechnung auf konsolidierter Basis vom 1.1.1999 bis 31.3.1999 nach dem Gesamtkostenverfahren
*) Die Währungsdifferenz aus der Kreditbewertung und aus der Umrechnung des Anlagevermögens der SPV wurde in der Erfolgsrechnung aliquot berücksichtigt. Für den Zeitraum 4 - 12/99 wurden € 5,46 Mio in den aktiven Rechnungsabgrenzungen erfaßt. |